
Wie Männer gezielt Frauen mit kognitiven Beeinträchtigungen für Sex suchen – wichtige Y-Kollektiv-Reportage macht auf Missstände aufmerksam
05.06.2026
Menschen mit Behinderungen und Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind überdurchschnittlich häufig von sexueller Gewalt betroffen. Viele Betroffene haben es schwerer, manipulative Verhaltensweisen oder Grenzüberschreitungen frühzeitig zu erkennen und sich wirksam vor Täterinnen und Tätern zu schützen. Gleichzeitig werden ihre Grenzen, Erfahrungen und Aussagen nicht ernstgenommen.
Genau hier setzt auch unser aktuelles Projekt an: Wir entwickeln ein inklusives Präventionsprogramm in Leichter Sprache, das sich gezielt an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen richtet. Das Programm klärt über die sogenannte „Loverboy“-Methode und Formen des Menschenhandels auf und vermittelt praxisnahes Wissen zu den Themen Grenzen, Selbstbestimmung und gesunde Beziehungen.
Wie dringend dieses Thema ist, zeigt eine aktuelle Reportage des Y-Kollektivs: „Wie Männer gezielt Frauen mit kognitiver Beeinträchtigung für Sex suchen“. Die Reporterin recherchierte in Online-Foren, analysierte Kommentare in sozialen Medien und meldete sich sogar auf der Dating-Plattform „Handicap Love“ an. Dabei stieß sie auf zahlreiche verstörende Inhalte und Nachrichten.
Sie kommt zu einer erschreckenden Erkenntnis:
„Dass Menschen mit körperlicher Behinderung leider immer wieder fetischisiert werden, wusste ich. Hier scheint es aber um etwas anderes zu gehen: Eine Frau sexuell auszunutzen, die vermeintlich nicht in der Lage ist, Nein zu sagen. Ihre Behinderung als Eintrittskarte für Sex.“
Die Reportage macht sichtbar, dass Menschen mit Behinderungen im Internet häufig sexualisiert werden. Auch auf Social-Media-Plattformen und in Online-Communities finden sich immer wieder Inhalte, die Menschen mit Behinderungen objektifizieren oder gezielt als vermeintlich leichte Opfer darstellen.
Umso wichtiger sind Aufklärung, Prävention und die Stärkung von Selbstbestimmung. Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf sichere Beziehungen, sexuelle Selbstbestimmung und Schutz vor Gewalt wie alle anderen Menschen.
Wir danken dem Team von Y-Kollektiv für die wichtige journalistische Arbeit und dafür, dass dieses oft übersehene Thema sichtbar gemacht wird.
Hier geht es zur vollständigen Reportage:
https://www.youtube.com/watch?v=OZ6NwEhzOhs
Weitere Quellen:
Studie zu Gewalterfahrungen von Menschen mit Behinderungen:Studie zu Gewalterfahrungen von Menschen mit Behinderungen - BMBFSFJ
Brigitte: Trisomie 21 als Klick-Masche https://www.instagram.com/reel/DMN_unrKcjG/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==