Allgemeine Informationen über „Loverboys“

Ein „Loverboy“ ist ein Mann, der eine Liebesbeziehung zu einem meist jüngeren Mädchen (manchmal schon 11- oder 12-Jährige) vortäuscht: Er manipuliert sie emotional, isoliert sie sozial und zwingt sie in die Prostitution. Mit Drogen, Gewalt und Drohungen macht er sie hörig – sie ist ihm ausgeliefert.
Laut „Bundeslagebild Menschenhandel“ des Bundeskriminalamts waren im Jahr 2015 von den Opfern des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung 23,3 % Deutsch. 54% aller Opfer waren unter 21 Jahren alt[1]. Nach der Expertise zum Thema „Deutsche Betroffene von Menschenhandel“ vom bundesweiten „Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V.“ (KOK) erzählte ein Großteil der Betroffenen von „Loverboy“-Beziehungen oder ähnlichen emotionalen und psychischen Abhängigkeiten.[2]

Die Masche mit der „Liebe“, um Mädchen und Frauen in die Prostitution zu locken, gibt es schon lange. Er ist über den Globus verbreitet und obwohl dem Phänomen seit einiger Zeit in den Medien mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, bleibt die Bekanntheit der „Loverboy“-Methode unter Jugendlichen niedrig. Mit der Unterstützung von „Aktion Mensch“ wollen wir Kinder und Jugendliche informieren und aufklären, um sie zu schützen, Opfer von diesen Menschenhändlern zu werden.


„Loverboys“ sind meist junge Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. In der Regel sind sie älter als ihre Opfer. Oft kommen sie schon früh durch Verwandte oder Freunde mit Prostitution, Drogen- und Waffenhandel in Berührung und werden von ihnen entsprechend vorbereitet[2]. Illegaler Waffen- oder Drogenhandel stellen lukrative Geschäfte dar. Besonders der Handel mit Mädchen und Frauen wirft große Gewinne ab. Um die Mädchen zu ködern, benutzen die „Loverboys“ eine alte Masche: Liebe. Sie sind Meister der Psychologie und der Manipulation. Durch Medienberichte und Aussagen von Opfern entsteht der Eindruck, dass „Loverboys” fast ausschließlich Migrationshintergründe haben. Es gibt aber keine Zahlen und Studien, die das belegen können. Ein Migrationshintergrund bei „Loverboys“ ist natürlich nicht auszuschließen, hat aber für die Problematik selbst keine Bedeutung. Deutlich wird, dass „Loverboys“ oft aus sozialen Randgruppen stammen. Es sind beispielsweise auch Verbindungen zu Motorrad-Gangs oder rechtsextremen Gruppierungen bekannt.

Loverboy Opfer in der Dusche nach sexuellem ÜbergriffOpfer von „Loverboys“ machen oft eine starke Veränderung durch. Sie können an Depressionen und starken Stimmungsschwankungen leiden oder sind unsicher und haben ein wenig realistisches Selbstwertgefühl. Sie scheinen keine eigene Identität zu haben und sind der Familie gegenüber oft aggressiv. Es könnte sein, dass sie ständig müde, eventuell abgemagert sind und blaue Flecken an Armen und Rücken haben, wo sie leicht zu verstecken sind. Ihr Stil verändert sich stark. Sie tragen oft viel Make-up und neigen zu selbstverletzendem Verhalten. Besonders deutliche Kennzeichen sind der Besitz von mehreren Handys oder Prepaidkarten. Sie haben eine hohe Telefonrechnung und telefonieren und simsen ständig (schließen sich manchmal dazu auch im Bad ein), denn der „Loverboy“ kontrolliert sie ständig und sie müssen immer auf Abruf bereit stehen. Ein deutlicher Hinweis kann auch das häufige und sehr lange Duschen sein. Außerdem können Betroffene oft nicht über Prostitution sprechen und projizieren die Geschehnisse auf eine andere Person.

Im späteren Verlauf verschlechtern sich auch die schulischen Leistungen, sie beginnen zu schwänzen und es entwickelt sich eine Weglauftendenz. Zunehmender Konsum von Alkohol und Drogen, der neue Kontakt oft zu älteren Jungs, das Kündigen von Freundschaften oder Ablehnen von Besuchen bspw. bei Großeltern deuten ebenfalls darauf hin, dass eine Person ein „Loverboy“-Opfer sein kann. Ein weiterer Anhaltspunkt kann sein, dass die Mädchen von dem jungen Mann häufig mit dem Auto zur Schule gebracht werden.

Einige dieser Auffälligkeiten können auch auf andere Formen sexueller Gewalt hinweisen.

Doch auch normale hormonelle Schwankungen und die Veränderungen während der Pubertät können das Auftreten einiger der Verhaltensweisen verursachen. Sind jedoch mehrere dieser Anzeichen bei einem Mädchen erkennbar, können sie ein Hinweis darauf sein, dass dieses Mädchen bereits Opfer eines „Loverboys“ ist oder in großer Gefahr steht, ein Opfer zu werden.

Jungen sind nicht gezielt Opfer sexueller Ausbeutung von „Loverboys“, aber auch sie können Opfer werden. Das Kennenlernen verläuft ähnlich wie bei den Mädchen. Sie werden dann zu Kurierdiensten für Drogen oder Waffen gezwungen oder müssen den Kontakt zu Mädchen herstellen. Manche wissen, was sie tun, andere nicht. Auch sie können ein emotional ambivalentes Verhältnis zu den „Loverboys“ haben und drogenabhängig sein. Bisher sind wenige Fälle von homosexuellen „Loverboy”-Opfern bekannt, dennoch ist auch dies möglich. Es gibt sehr wenige Informationen über Jungen, die „Loverboy“-Opfer werden.


Quellen
[1] Die Zahl der deutschen Opfer, die von der Polizei entdeckt wurden, repräsentieren lediglich das Hellfeld. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Bundeslagebild Menschenhandel, Letzter Zugang 17.08.2017

[2] Müller-Güldemeister, Susanne: Expertise zum Thema deutsche Betroffene von Menschenhandel. Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V., S.21, 05.12.2011. Letzter Zugang 20.12.2014.



Zum Weiterlesen:

Der Verein „NO loverboys“ soll als direkte Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige dienen:
NO loverboys

Kostenlose Mailberatung, die von ausgebildeten psychologischen Beratern geführt wird, die auf Loverboys spezialisiert sind: Mailberatung bei “Das Sorgentelefon”

Planet Schule-Sendung:
Die Loverboy-Masche: Wie Schulmädchen in die Prostitution geraten

Spiegel-Online:
Morgens Mathe, Mittags Hure

Die Zeitschrift EMMA schreibt:
Loverboys im wahren Leben

Ein Buch von Merel van Groning:
Plötzlich gehörst du ihm

Ein Buch von Helen Vreeswijk:
Die Masche Liebe